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"Wenn das Griechentum als eine differenzierte Identität überleben will, so wäre das erste, was es tun müsste, zu produzieren, was es verbraucht. Ich meine keineswegs eine wirtschaftliche Autarkie im alten Sinne, sondern die Unabhängigkeit von der Politik und Praxis des parasitären Konsumwahns. Ein lebensfähiges kollektives Subjekt muss zumindest so viel exportieren, wie es importiert, zumindest in eine offenere Welt. Unabwendbar sind sonst der Sturz in die niederen Stufen der internationalen Arbeitsteilung, die Überschuldung und die politisch-militärische Abhängigkeit. In den letzten Jahrzehnten schritt das Griechentum schnell in diese Richtung voran. Die Umkehrung dieses Prozesses erfordert eine tapfere Produktionsbemühung, fortgeschrittenes technisches Wissen und eine radikale institutionelle Sanierung sowie ein Bildungssystem von ganz anderem Niveau."  (Interview mit Sp. Koutroulis http://kondylis.net/Interview2,2.pdf)

"Vielleicht stellen sich die Dinge umgekehrt dar, vielleicht waren diese Traditionen stark, weil der Kapitalismus aus objektiven Gründen in einem unterentwickelten Stadium stecken blieb. Jedenfalls hat der konservative Antikapitalismus in Griechenland Formen angenommen, die sehr verschieden von denen im sonstigen Europa sind. So wie die ausgeformte und bahnbrechende bürgerliche Klasse als selbständiger Produzent einer kapitalistisch-liberalen Ideologie fehlte, und zwar mit der Konsequenz, dass diese Ideologie vor allem aus dem Ausland importiert wurde, so gab es auch keinen Landadel als ideologischen Vertreter eines konservativen Antikapitalismus. Das kulturelle Niveau des griechischen Lokalverwalters und Landgutbesitzers war sehr niedrig, seine soziale Welt war diejenige der balkanischen Stammesgruppe, und entsprechend war auch sein moralischer Kodex. Somit bestand der konservative Antikapitalismus ursprünglich und über längere Zeit in einer Nachentwicklung und Neuanpassung der sozialen Ideale des byzantinischen Mönchtums, verwandt mit ekstatischen und jenseitigen Auffassungen. Später wurden die uralten und stets lebendigen einheimischen Strömungen angereichert, sie vermischten sich mit den Ideologemen der Slawophilen, die sich in Russland schon im 18. Jahrhundert als Reaktion auf die Reformpolitik einiger Zaren zu formen begannen, um in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einer beachtlichen Kohärenz zum Ausdruck zu kommen (zum Beispiel in den Werken von Ivan Kireevsky). Hier werden der Materialismus und der Rationalismus des Westens einer Natürlichkeit und Menschlichkeit und der intakten Seele des orthodoxen Ostens entgegengehalten. Die europäische kapitalistische Kultur wird als dämonische Macht und als fataler Fehltritt der Geschichte betrachtet. Es wäre sehr interessant, die Verbreitung und die Varianten ähnlicher Ideen im Rahmen der neugriechischen Ideologie des 19. und 20. Jahrhunderts zu verfolgen. Leider befindet sich diese Erforschung noch im Embryonalstadium, es fehlt also nicht nur eine systematische Zusammenstellung des Materials, sondern auch die begrifflichen Instrumente der Forscher sind meistens noch zu wenig ausgefeilt." (Interview mit Sp. Koutroulis http://kondylis.net/Interview2,2.pdf)

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