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"Wie bereits die Unterscheidung zwischen wissenschaftlichem und moralisch - normativem Rationalismus impliziert, so verbinde ich auf keine Weise die These, dass die moralischen Werte relativ sind (nämlich Erzeugnisse bestimmter Subjekte in bestimmten Situationen), mit irgendeiner Form des erkenntnistheoretischen Relativismus und Skeptizismus. An diesem kritischen Punkt steht meine Position gegen die gesamte bisherige philosophische Tradition, nämlich gegen ihre beiden grundlegenden, wenn auch gegenläufigen Richtungen. Sowohl in seinen antiken (Sophistik, Pyrrhonismus) als auch in seinen neueren Varianten verband der Skeptizismus stets die Unmöglichkeit der Erkenntnis der Dinge mit der Relativität und der Veränderbarkeit des Guten und Bösen, während der Platonismus und die von Ideen bestimmten Tendenzen allgemein genau das Gegenteil taten: Die Festigkeit der metaphysischen Erkenntnis unter stützte die Sicherheit des ewig Guten und Bösen. So war der Skeptizismus immer ein umgekehrter Platonismus und der Platonismus ein umgekehrter Skeptizismus. Nach meiner Auffassung ist die Erkenntnis der menschlichen Dinge möglich, zumindest in praktisch ausreichendem Maße – und gerade diese Erkenntnis ermöglicht uns die Feststellung, dass die Werte relativ sind in dem Sinne, den ich vorhin angegeben habe. Es gibt keine logisch notwendige Affinität zwischen dem erkenntnistheoretischen Skeptizismus und dem moralischen Relativismus. Die Aussage: „Ich kann die Dinge nicht erkennen, also gibt es keine objektiven Werte“ ist logisch verfehlt. Aus der These „Ich kann die Dinge nicht erkennen“ ergibt sich bloß, dass „ich nicht wissen kann, ob die Werte objektiv sind .“ " (Interview mit Sp. Koutroulis http://kondylis.net/Interview2,2.pdf)

"... wer mit Texten verschiedener Kulturen und Zeitalter vertraut ist, sollte überlegen, in welcher Hinsicht und aus welchen Gründen Dinge, die vor Tausenden von Jahren oder unter ganz unterschiedlichen Bedingungen gesagt worden sind, heute für uns mit solcher Unmittelbarkeit verständlich sein können. Diese stetige menschliche und soziale Unterströmung, die der Gegenstand sozialer Ontologie ist, ist die Grundlage und Garantie der Erkenntnis der menschlichen Dinge. Um Menschen zu verstehen, die an verschiedene Werte glauben oder glaubten, muss ich offensichtlich meine Kriterien aus diesem tieferen Wissen schöpfen, nämlich in eine Schicht vorstoßen, die tiefer als jeder Wert ist, und in diesem Sinn eine Haltung von Wertneutralität wahren. Diejenigen, die sagen, dass dies unmöglich ist, sind bloß unfähig, in diese tiefere Schicht erkennend einzudringen, oder sie sind dazu nicht willens: Denn unter dem Vorwand der Ablehnung der Möglichkeit der Wertneutralität versuchen sie bloß eine mit ihren eigenen Werten durchtränkte Erkenntnis durchzusetzen, nämlich ihre eigenen Ansprüche auf Macht. Dies ist unvermeidlich und im sozialen Kampf sehr nützlich, aber aus erkenntnistheoretischer Sicht bedeutet es die Abschaffung auch des elementarsten Begriffs von Wissenschaftlichkeit. Denn es ist keine Wissenschaft möglich, wenn nicht bis zu einem gewissen Grad die Möglichkeit besteht, seine eigenen Wünsche von der Realität zu unterscheiden. Wenn wir unsere Wünsche (das heißt unsere Werte) nicht von dem unterscheiden möchten oder können, was in der Welt geschieht, dann hat entweder die Wissenschaft keinen Grund zu existieren, oder es würde reichen, Wünsche zu äußern, um automatisch als Wissenschaftler zu gelten." (Interview mit Sp. Koutroulis http://kondylis.net/Interview2,2.pdf)

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