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"Auch Luhmanns Arbeiten haben recht wenig zur Bereicherung der Theorie des offenen Systems beigetragen, deren Herausbildung im Wesentlichen abgeschlossen war, als Luhmann an die Öffentlichkeit trat. Die gegen Parsons gerichtete konsequente Funktionalisierung der Systemtheorie war also keineswegs Luhmanns Werk, wie viele in Deutschland glauben. Seine leitenden Ideen und sein begriffliches Instrumentarium sind allesamt der amerikanischen Literatur der späten 1950er und frühen 1960er Jahre entnommen, deren Argumentationen und Inhalte in Luhmanns inflationärer Produktion zusammengefaßt oder variiert, expliziert oder neu kombiniert wurden. Gerade deswegen besitzen die Schriften des Deutschen einen symptomatischen Wert, und wegen dieses ihres Wertes werden sie im folgenden zitiert." (Sozialontologie, I Anm. 34)

"Als solche Antwort kann nicht die Aussage gelten, was die Theorie mit dem Begriff “System” bezeichne, werde eo ipso als Teil der Wirklichkeit gesetzt, der Systembegriff bezeichne also etwas, was wirklich System sei (Luhmann, Soziale Systeme, 19,30). Abgesehen davon, daß das Argument strukturell an den ontologischen Gottesbeweis erinnert, kann es beliebig zugunsten der Wirklichkeitstreue jeder Theorie angeführt werden." (Sozialontologie, I Anm. 43)

"Verwendet man zur Schilderung einer Gesellschaft ihre eigenen Begriffe (und zwar nicht bloß als Indizien für ihre reale Lage, sondern als theoretisches Instrumentarium), so muß man schlußfolgern oder voraussetzen, Begriffe und Ideen seien bloße Widerspiegelungen gesellschaftlicher Vorgänge. Dieser naiven Erkenntnistheorie verfällt Luhmann, wenn er die Ebene der Selbstbeschreibung menschlichen Verhaltens mit jener der sozialen Wirklichkeit bzw. menschlichen Verhaltens überhaupt verwechselt. So bietet er Schilderungen von Handeln bzw. das Selbstverständnis von Handelnden aus dem 18. Jahrhundert auf, um zu beweisen, daß sich Handeln und System in der Moderne real anders aufeinander beziehen als in vormodernen Zeiten (Soziol. Aufklärung, III, 59ff.). Dabei wird höchst selektiv verfahren, so daß die Vielheit der Positionen und Gegenpositionen in jeder Epoche aus dem Blick gerät; vor allem wird die symbolische und polemische Relevanz der (Selbst-) Schilderungen kaum wahrgenommen und so geredet, als ob letztere ideelle Kopien vom realen Handeln wären und nicht Aussagen von Menschen, die in ihrer konkreten Lage ihr Handeln so schildern bzw. rationalisierten wollten oder mußten. Im 3. Band dieses Werkes werden wir ausführen, daß und warum sich reales Handeln von Mensch zu Mensch und von Zeit zu Zeit viel weniger ändert als seine Begründung oder Schilderung." (Sozialontologie, I Anm. 46)

"Luhmann macht sich diese Thesen zu eigen und versteigt sich sogar zur Behauptung, der sozialpsychologische Mechanismus des “taking the role of the other” bilde einen Aspekt der gesteigerten Refexivität, die das Ende der societas civilis und den Anfang moderner Komplexität kennzeichne (“Evolutionary Differentiation”, 121). Mead hat aber die Wurzeln dieses Mechanismus bis in das Tiereich hin zurückverfolgt!" (Sozialontologie, I Anm. 85)

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