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"Wenn Fukuyama dem universalistischen Amerikanismus das Charisma der Geschichtsphilosophie verliehen hat – und sei es auf schlichte Art und Weise – , so hat Huntington den amerikanischen Kolonialambitionen praktische Aus gleiche und Praktiken zugestanden. Wenn die Geschichte zu keinem Ende gelangt ist, sondern als ein Konflikt der Kulturen fortgesetzt wird, und wenn der europäische und amerikanische Westen von der Definition her ein gemeinsames Schicksal innerhalb dieses Konflikts teilen, dann ist es offensichtlich, dass die USA als die stärkste Nation des Westens stets in ihrer Verteidigung gegen die muslimischen und konfuzianischen Massen herrschen müssen. Das heutige Europa stellt (ich verwende den Terminus konventionell, denn es existiert eigentlich keine solche politische Entität) politisch-militärischer Sicht annähernd ein amerikanisches Protektorat dar, und es wird ein solches in voraussehbarer Zeit bleiben. Die Gedanken von Huntington haben aus dieser Sicht eine tatsächliche Grundlage, aber die allgemeinere historische und soziale Fundierung ist schwach. Wenn Europa und die USA im 21. Jahrhundert Weggefährten sind, wird die Rede nicht von der kulturellen Gemeinschaft sein, sondern von einer Gemeinschaft von Interessen, wie sie jeweils die Geopolitik, die Strategie und die Wirtschaft bestimmen." (Interview mit Sp. Koutroulis http://kondylis.net/Interview2,2.pdf)

"Niemals waren die kulturellen Faktoren bei der Suche nach Alliierten bestimmend, auch wenn die Allianzen zwischen kulturell Verwandten üblicherweise nachträglich entsprechend rationalisiert werden, um ihnen eine hohe Motivation zu verleihen. Es ist aber unvernünftig, anzunehmen, Japan würde zwischen den USA und China gemäß seiner kulturellen Verwandtschaft wählen, sodass Japan sehr wahrscheinlich eine Provinz eines überstarken China würde, und nicht auf Grund von strategischen Kriterien, die Japan Spielraum für größere Unabhängigkeit geben würden, und zwar unter dem toleranteren amerikanischen Dach. Auch ist es unvernünftig, zu glauben, die Arabischen Emirate würden die Herrschaft der Islamisten der Allianz mit den „ungläubigen“ Amerikanern vorziehen." (Interview mit Sp. Koutroulis http://kondylis.net/Interview2,2.pdf)

"Und es ist unvernünftig, zu denken, ein vom Westen enttäuschtes Russland könne auf Grund der kulturellen Unterschiede nicht in die Arme Chinas fallen, um mit China einen starken Eurasischen Block zu bilden. Übrigens ist es unmöglich, dass alle Kulturen gegen alle Kulturen kämpfen. Das Kräftespiel erfordert Bündnisse und Allianzen – aber welche kulturellen Kriterien könnten bei der Schließung von Allianzen zwischen Kulturen vorherrschen? Welche kulturelle Logik verlangt von Muslimen, sich mehr den Chinesen anzunähern und sich gegen den Westen zu wenden? Huntington umgeht diese elementaren Fragen, und versucht auch gar nicht, von der historischen Erfahrung belehrt zu werden. Denn seine Absicht ist, wie wir sagten, weniger theoretisch als vielmehr strategisch, und zwar, wie es sich versteht, aus der amerikanischen Perspektive." (Interview mit Sp. Koutroulis http://kondylis.net/Interview2,2.pdf)

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