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„Wie jeder Theoretiker, so ist auch Clausewitz grundsätzlich davon überzeugt, dass die jeweilige unmittelbare Erfahrung […] nur in ihrer Beleuchtung aus einer höheren Sicht bzw. nur durch ihre Einordnung in breitere Zusammenhänge […] imstande [ist], das in vollem Umfang zu enthüllen, was an allgemein Relevantem in ihr steckt." (Kondylis, Panajotis: Theorie des Krieges; Klett-Cotta, Stuttgart, 1988, S.96f)

"Am methodisch zweckmäßigsten erscheint es dabei, jene Pole als Denkorientierung vornehmlich im Auge zu behalten, an denen die ‚vollkommensten Gegensätze’ oder das ‚Äußerste jeder Weise’ sichtbar werden, und zwar in Kenntnis der Tatsache, dass sich die meisten konkreten Fälle irgendwo zwischen ihnen abspielen. So gesehen bildet die Orientierung des theoretischen Denkens am Extremen und Äußersten nicht eine Preisgabe der quantitativ überwiegenden Aspekte des Wirklichen, sondern im Gegenteil den einzig fassbaren Weg zur Erfassung ihrer Qualität, ihres tieferen Wesens.“ (Kondylis, Panajotis: Theorie des Krieges; Klett-Cotta, Stuttgart, 1988, S.97)

"Die Produktion von ahistorischer und unhistorischer Theorie ist eigentlich eine leichte Sache, und gerade deshalb wird sie von jedermann betrieben, weil alle glauben, dass die Ersetzung eines abstrakten Begriffes durch einen anderen oder eine neue Kombination von Begriffen ein wichtiger Beitrag des Denkens sei. All dies sind Symptome einer andauernden geistigen Pubertät. Zu einer Reife gelangt der Geist, wenn er in der Lage ist, die konkrete Analyse einer bestimmten Situation zu erarbeiten. Nur die Ignoranten bezeichnen dies als Enge und Empirismus. Denn gerade die konkrete Analyse konkreter Situationen zeigt die eigentliche Struktur und Nützlichkeit der begrifflichen und methodologischen Instrumente auf." (Interview mit Sp. Koutroulis http://kondylis.net/Interview2,2.pdf)

"Hier ist belanglos, ob die Verallgemeinerungen ausgehend von empirischen Beobachtungen formuliert werden oder ob sie hypothetisch artikuliert werden, um nachträglich empirisch bestätigt zu werden. In Wirklichkeit sind diese beiden Vorgehensweisen in der wissenschaftlichen Praxis untrennbar. Auch wenn diese Praxis variiert, wird sie sich immer zwischen den beiden Polen der theoretischen Verallgemeinerung und der empirischen Feststellung bewegen. Die Tatsache, dass die Theorie die Erfassung der Empirie durchtränkt, bedeutet keineswegs, dass sie gegen alle empirischen Zeugnisse gerettet werden kann, welche Form auch immer sie erhält. Übrigens anerkennen dies praktisch alle Theorien, auch die willkürlichsten, denn alle berufen sich auf einen – gewiss interpretierten – Aspekt der Empirie [...] So wie die wahrscheinlichen Kombinationen theoretischer Verallgemeinerung und empirischer Beobachtung mehrere sind, kann kein Rezept die individuelle Bildung und die individuelle Begabung des jeweiligen Forschers ausreichend ersetzen." (Interview mit Sp. Koutroulis http://kondylis.net/Interview2,2.pdf)

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